Diese Woche hat die Financial Times zwei Artikel veröffentlicht, auf die wir näher eingehen möchten und von denen wir hier eine kurze Zusammenfassung geben.
Schweiz – UBS
Die Financial Times beschreibt den politischen Sieg der UBS im Kampf um die neuen Eigenkapitalvorschriften. Das Schweizer Parlament erwägt derzeit, den Vorschlag der Regierung abzuschwächen und der UBS zu gestatten, bis zur Hälfte der neuen Anforderungen mit AT1-Instrumenten statt mit CET1-Kapital zu decken. Die Frage spiegelt den schwierigen Spagat zwischen der Notwendigkeit wider, das systemische Risiko nach der Rettung der Credit Suisse zu verringern, und dem Bestreben, die internationale Wettbewerbsfähigkeit der UBS und des Schweizer Finanzplatzes nicht zu beeinträchtigen. (Financial Times)
Japan – „Die Takaichi-Revolution“
Die britische Wirtschaftszeitung analysiert den von Premierministerin Sanae Takaichi eingeleiteten politischen und wirtschaftlichen Wandel: Höhere öffentliche Ausgaben, Industriepolitik und die Stärkung der Verteidigung zielen darauf ab, eine seit langem stagnierende Wirtschaft wieder anzukurbeln. Das Problem ist, dass diese Strategie in Konflikt mit dem Anleihemarkt gerät: Die Renditen japanischer Staatsanleihen (JGBs) sind deutlich gestiegen, während die BoJ ihre Geldpolitik schrittweise normalisiert. Die eigentliche Bewährungsprobe für Takaichi wird daher darin bestehen, das Wachstum aufrechtzuerhalten, ohne die Kontrolle über die Inflation und vor allem über die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung zu verlieren. (Financial Times)
Auf den ersten Blick haben diese beiden Geschichten nichts gemeinsam. Es handelt sich um zwei Länder, die im Mittelpunkt zweier scheinbar weit voneinander entfernter Themen stehen – die parlamentarischen Verhandlungen über die Eigenkapitalanforderungen der UBS und das Durchbrechen der 3-Prozent-Marke bei der japanischen 10-Jahres-Rendite –, die jedoch aus Anlegersicht dieselbe grundlegende Frage aufwerfen: Wie viel Risiko kann ein System tragen, bevor ein Eingreifen des Staates notwendig wird? In der Schweiz konzentriert sich das Risiko auf die Bilanz einer einzelnen systemrelevanten Bank; in Japan auf die Staatsbilanz und den Markt für Staatsanleihen. Das ist der Unterschied zwischen dem Problem „too big to fail“ und dem Problem „too much debt to ignore“.
Wir fassen unsere Einschätzung in den beiden folgenden Tabellen zusammen:
und laden Interessierte ein, den Bericht herunterzuladen, der eine eingehendere Analyse enthält, die zu den hier kurz dargestellten Schlussfolgerungen führt.
Haftungsausschluss
Der vorliegende Beitrag gibt die persönliche Meinung der Mitarbeiter von Custodia Wealth Management wieder, die ihn verfasst haben. Es handelt sich nicht um Anlageberatung oder -empfehlungen, keine individuelle Beratung und er ist nicht als Aufforderung zum Handel mit Finanzinstrumenten zu verstehen.